“F. ZAWREL” im Akademietheater am 24. Oktober 2014

AT

Der «Grünschnabel 2014» geht an das Schubert Theater, Wien

Grünschnabel

Der Regierungsrat des Kantons Aargau verlieh am 11. Figura Theaterfestival 2014 in Baden zum sechsten Mal den Förderpreis für junges Figurentheater «Grünschnabel».  Er zeichnet damit eine junge Bühne aus, die sich am Anfang ihrer beruflichen Tätigkeit befindet und mit Ausdrucksformen des Figuren- und Objekttheaters auf künstlerisch eigenständige und herausragende Art arbeitet.

Rund 24 Gruppen aus 7 europäischen Nationen, Israel, Chile und USA haben sich für den «Grünschnabel» 2014 beworben.

Gewinner:  SCHUBERT THEATER, Wien mit “F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig”

 

DSC_1107dDie wahre Geschichte über Friedrich Zawrel, der während der NS-Zeit aus der Wiener Krankenanstalt «Am Spiegelgrund» fliehen kann und später seinem früheren Peiniger erneut begegnet. Die Klinik erlangte damals aufgrund der Behandlung und Ermordung von kranken, behinderten und vermeintlich erblich belasteten Kinder traurige Berühmtheit. Ein schwerer Brocken Zeitgeschichte, der durch das eindringliche Spiel Nikolaus Habjans zutiefst berührt.

Laudatio für «F. Zawrel», vorgetragen von Monika Schärer:

Was der junge Puppenspieler Nikolaus Habjan – in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Simon Meusburger – auf die Bühne bringt, ist dokumentarisches Theater mit Klappmaul-Puppen: mutig, unter die Haut gehend, nachhaltig. Erzählt wird die ungeheuerliche wahre Geschichte von Friedrich Zawrel – der im faschistischen Österreich als Kind in einer Krankenanstalt zu medizinischen Versuchszwecken missbraucht wird, dem die Flucht gelingt und der Jahre später von demselben Arzt Dr. Gross erneut als „erbbiologisch und sozial minderwertig“ eingestuft und weggesperrt wird.

Für die Vermittlung dieser grausamen Geschichte haben Habjan und Meusburger eine adäquate Umsetzung gefunden mit Puppen, die als grotesk überzeichnete Doubles der Protagonisten einsetzt werden und einem Spieler, der zusätzlich selber in verschiedene Rollen schlüpf. Jede Figur hat ihren eigenen Duktus, ihre eigene Stimme. Zwei Stunden Text! Und trotz gewisser dramaturgischer Schwächen – Stichwort Redundanz – sind die zwei Stunden von der ersten bis zur letzten Minute: Packend!

Wenn die Puppen abgelegt werden, behalten sie ihre Präsenz. Berührend das Kind in Embryo-Stellung, das auf einer Stehle liegt. Oder das ermordete Kind, das aus dem Versuchslabor abtransportiert wird. Es ist Ausdruck der Hilflosigkeit der Kinder im Heim. Sparsam umgegangen wird auch mit den Projektionen – einem verführerischen Theatermittel. Hier werden sie genutzt, um den Raum kurz und notwendig aufzutun – einmal, um die Nazi-Zeit zu veranschaulichen, ein andermal, um die Flucht aus dem Kinderheim sichtbar zu machen.

Nikolaus Habjan, der junge Puppenspieler, ist mehr oder weniger aus Zufall auf die Geschichte von Friedrich Zawrel gestossen – diesem Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, die bis heute ihre tragischen Auswirkungen zeigt. Dass Habjan die Lebensgeschichte dieses Zeitzeugen zu seinem persönlichen Anliegen macht, dieses dunkle Kapitel österreichischer Geschichte in die Öffentlichkeit bringt, ist Ausdruck von grossem menschlichem Mut gepaart mit künstlerischer Ausdruckskraft.

Und ich als Filmemacherin möchte noch anfügen: Wäre dieser Figura-Theaterabend ein ebenso gelungener Dokumentarfilm – er hätte einen Oscar verdient!

“F. Zawrel – erbbiologisch . . .” am 09. Oktober 2014 wieder im Schauspielhaus! Kartenvorverkauf läuft bereits!

Nach zwei restlos ausverkauften Vorstellungen wurde nun doch noch ein Termin im Grazer Schauspielhaus gefunden um den vielen Nachfragen  gerecht zu werden.  Hier gibt es noch Karten: https://www.ticketzentrum.at/portal/HallPlanBooking.aspx?msg=0&ret=17&e=16756

 

Morgen am 27.06. 2014 spiele ich im Schweizer Kanton Aargau in Baden um den begehrten “Grünschnabel” – Preis. Bitte ab 20:30 Uhr die Daumen zu drücken, danke!

Hier ein Link zur Veranstaltung:

http://www.figura-festival.ch/programm/programm2014/single/?no_cache=1&tx_umschukulu_pi1%5BshowUid%5D=97&cHash=3b9442d8dabd9fb199cc94596a5a0cbc

Vorbericht der Aargauer Zeitung:

http://www.aargauerzeitung.ch/kultur/buch-buehne-kunst/laesst-sich-blankes-entsetzen-mit-puppen-spielen-eine-puppe-kann-alles-128119261

Standing Ovations – für Friedrich Zawrel im Schauspielhaus Graz!

 

©Jörg RathZawrel_Graz

Im ausverkauften Schauspielhaus feierte das  begeisterte Publikum Friedrich Zawrel, der zur Vorstellung am 04. Mai 2014 nach Graz gekommen war.

Interview auf: http://blog.schauspielhaus-graz.com

MIT PUPPEN IN DIE OPER
http://blog.schauspielhaus-graz.com/mit-puppen-in-die-oper/

Er steigt gerne in Züge, ohne dass er das Ziel kennt, hat aus ehemaligen Lehrern Paten für seine Puppen gemacht und wollte schon im Kindergarten Opernregisseur werden. Puppenspieler und Co-Direktor am Schubert Theater Nikolaus Habjan kommt am 4. Mai nochmals mit „F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig“ ans Schauspielhaus und wird in der neuen Spielzeit „Das Missverständnis“ auf der Probebühne inszenieren. Im Interview erzählt er viel Persönliches – allem voran von seinen beiden Leidenschaften: den Puppen und der Oper.

Kindheit: Kasperl oder Krokodil?
Nikolaus Habjan: „Der Kasperl hat mich eigentlich nie interessiert. Aber meine Mutter hatte Videokassetten mit den Bremer Stadtmusikanten und dem Tapferen Schneiderlein als Puppenspiel, die haben mich schon fasziniert. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, dann wäre es definitiv das Krokodil. Ich war immer eher auf der bösen Seite.“

Gab’s dann im Kindergarten schon erste Aufführungen?
„Nein, ich wollte im Kindergarten schon immer Opernregisseur werden! Irgendwann hat meine Kindergartenpädagogin zu meiner Mutter gesagt: ‚Sie müssen mit Ihrem Sohn unbedingt in die Oper! Sie können ja in der Pause gehen, wenn es zu lang wird.‘ Also war ich als Vierjähriger zum ersten Mal in der Grazer Oper und habe mir mit meiner Mutter „Die Zauberflöte“ angeschaut. Und wir sind NICHT in der Pause gegangen.“

Graz: Heimatstadt oder Provinznest?
„Irgendwie beides. Ich mochte Graz immer, allerdings muss ich ehrlich sagen, dass meine Form von Puppentheater nie in Graz möglich gewesen wäre. Da gibt es das Sprichwort: ‚Der Prophet im eigenen Land gilt nichts‘ – genauso ist es mit Graz. ‚F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig‘ wurde ja bei ‚BestOFF Styria‘ (Anm.: Theaterfestival der Freien Szene Steiermark) abgelehnt. Das hat mich schon gekränkt. Ich glaube einfach, man muss sich woanders zuerst einen Namen machen.“

Ist das Heimspiel im Schauspielhaus trotzdem etwas Besonderes?
„Definitiv! Gerade mit ‚Zawrel‘, an das so viele nicht geglaubt haben so gefeiert zu werden … Das hat mich sehr gerührt!“

Sie sind ja auch Opernregisseur und pfeifen in einem Programm Opernarien. Wenn Sie sich entscheiden müssten: Musik oder Puppen?
„Das ist, als würde man eine Mutter fragen: Welches Kind magst du lieber? Ich finde, das kann man nicht trennen! Ich könnte kein guter Puppenspieler sein, wenn ich nicht musikalisch wäre. Es ist ja ein Traum von mir, Opernregie zu führen mit Puppen, die singen und mit der Musik leben.“

Arbeit: Autobiografisch, frei erfunden oder von Realem inspiriert?
„Autobiografisch war bis jetzt nur ‚Zawrel‘, da habe ich mich selbst auf die Bühne gestellt. Aus meinem Leben habe ich noch nichts verarbeitet. Nur viele meiner ehemaligen Lehrer sind zu Puppen geworden. Ich habe ja den besten Beruf der Welt: Ich kann Leute, die mir Frust bereiten, einfach in Puppen verwandeln.“

Erkennen diese Leute sich dann?
„Eine Lehrerin hat sich mal erkannt, die fand das aber lustig.“

Ist es das, was Ihre Puppen einzigartig macht? Dass sie reale Vorbilder haben?
„Ja, denn jede Fiktion, egal wie grotesk, wird immer von der Realität geschlagen. Ich kann ja mit Mathematik überhaupt nichts anfangen, aber eine Formel finde ich da spannend: Minus mal Minus ergibt Plus. Das gilt auch für die Puppe. Die Bühne ist nicht real, die Puppe ist nicht real, orientiert sich nur daran, aber genau deshalb werden die Puppen in den Köpfen der Zuschauer zu echten Menschen mit denen sie mitleiden.“

Wann „lebt“ eine Puppe?
„In dem Moment, wenn ich mit der Hand hineinschlüpfe, wenn sie vom leblosen Objekt zum Lebewesen wird.“

Was kommt zuerst: Die Rolle oder die Puppe?
„Mir ist beides schon passiert! Wenn ich feste Rollen habe und dazu Puppen entwickle, dann ist das als würde ich ein Zugticket kaufen, wo ich schon weiß, wo die Endstation ist. Wenn ich allerdings die Puppen baue und dann schaue, was passiert, ist es als würde ich in den Zug steigen und keine Ahnung haben, wohin er fährt. Natürlich kann ich in einem absoluten Kaff landen, wo ich nur schnell wieder weg will, aber es kann auch etwas total Spannendes passieren. Das möchte ich in Zukunft gerne wieder machen.“

Zawrel: Distanz oder totales Einlassen auf die „Kinderfachabteilung“ Am Spiegelgrund an der Morde an Kindern stattfanden?
„Das war echt schwierig. Ich habe noch nie mit einem so brutalen Stoff gearbeitet. Vor allem die Interviews mit Friedrich Zawrel, der von seiner Zeit in der ‚Kinderfachabteilung‘ erzählt hat, waren sehr stark. Da bin ich nach drei Stunden Interview einmal nachhause gefahren und habe eine Stunde lang geweint. Es gab keine Minute, in der ich nicht gearbeitet habe. So ein Stoff kommt einem nur einmal im Leben unter und das verändert einen. Mittlerweile gibt es aber auch Szenen, bei denen ich mich total distanzieren muss.“

Wirken die Puppen als Puffer?
„Ja, total. Die sind sowas wie mein Schutzschild. Paradoxerweise brechen sie aber gleichzeitig beim Publikum das Schutzschild. In ‚Zawrel‘ gibt es eine Szene, wo ein Kind geschlagen wird. Einerseits kann ich mir einreden ‚Das ist ja nur eine Puppe‘. Andererseits könnte ich das mit einem Menschen nie machen, weil das Publikum würde denken: ‚Das Kind wird ja in Wirklichkeit nicht geschlagen‘. Bei der Puppe kann ich aber echte Gewalt anwenden; das Publikum nimmt dieses Stoffding als Lebewesen wahr, nimmt sein Leiden wahr und es ist fast so, als würde ein echtes Kind geschlagen werden.“

Stermann-Biografie, Oper, Zawrel – das sind sehr unterschiedliche Stoffe. Warum „Das Missverständnis“?
„Ich versuche durch meine Arbeit zu beweisen, dass Puppentheater weit mehr ist, als „Kasperl“. Camus finde ich ja sowieso großartig und „Das Missverständnis“ habe ich gelesen und mich verliebt. Wir werden das mit SchauspielerInnen und Puppen inszenieren und ich möchte beim Publikum die Frage offen lassen: Spricht der Schauspieler gerade als Person oder als Puppe?“

Gibt es schon Ideen zur Inszenierung?
„Es wird sehr düster werden, sehr heftig. Mutter und Tochter ermorden ja Gäste in ihrem Hotel und rauben sie aus. Unter anderem den eigenen Sohn. Die große Frage ist: Wussten sie wirklich nicht, dass er es ist?“

Zukünftige Stücke: „Faust“, „Alice im Wunderland“ oder etwas ganz anderes?
„Klassiker finde ich wahnsinnig spannend, weil es oft diese zähen Dinge sind, an denen man in der Schule nicht vorbeikommt. Ich habe ehemalige Klassenkameraden die heute noch sagen: ‚Tut mir leid, ich geh‘ nicht ins Theater, weil denk an das entsetzliche English Theatre in der Schule!‘ Das finde ich sehr schade. Deshalb würde ich gerne mal einen Klassiker inszenieren, den die Jugendlichen genießen und bei dem sie mitfiebern können.“

Interview: Sonja Radkohl

KOOPERATION MIT DEM RABENHOF: Nach der Premiere von “6 Österreicher unter den ersten 5″ von Dirk Stermann: Run auf Karten !

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-24/1225/ZIB-24/7821663/Roman-einer-Entpiefkenisierung-im-Rabenhof-Theater/7829163

HIER GEHT`S ZUR  KARTENBESTELLUNG

 

Ein wunderbares Konzert mit dem Concilium musicum Wien

„Ich pfeif’ auf die Oper!”

Nikolaus Habjan und das Concilium musicum Wien auf Originalinstrumenten

Nikolaus Habjan: Kunstpfeifer

Concilium musicum Wien
auf Originalinstrumenten

Andeas Plank: Klavier
Christoph Angerer: Violine
Milan Nikolic: Violine
Robert Neumann: Viola
Ute Groh: Violoncello
Walter Bachkönig: Kontrabass

Von Paul Angerer für diese Besetzung arrangiert.

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